Was ist Ergotherapie?

Ergotherapie ist ein Heilmittel...

...und wird vom Arzt verordnet. Der Begriff „Ergotherapie“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Heilung durch Betätigung“.

Die Ergotherapie ist eine wertvolle therapeutische Maßnahme, die Kindern und Jugendlichen hilft, ihre motorischen, kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten zu verbessern und unterstützt dabei, alltägliche Herausforderungen besser zu bewältigen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Ergotherapie erfolgt in Einzel- oder Gruppentherapie und kann auch als Hausbesuch durchgeführt werden. Die Behandlungsdauer einer Therapieeinheit beträgt in den meisten Fällen 45 oder 60 Minuten.


Wo kommen Ergotherapeuten zum Einsatz?

Ergotherapeuten kommen u.a. in Praxen, in Kitas, in Schulen, in Krankenhäusern, in der Kinder- und Jugendpsychatrie, in Sozialpädiatrische Zentren und in Rehabilitationskliniken zum Einsatz.

ERGOTHERAPEUTEN sind ALLTAGSTRAINER!


Wann ist Ergotherapie sinnvoll?

Ergotherapie wird oft dann empfohlen, wenn Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung eingeschränkt sind oder Schwierigkeiten haben, alltägliche Aufgaben zu meistern. Dazu gehören unter anderem

  • Entwicklungsverzögerungen: d.h. Auffälligkeiten der Koordination (Grob-, Fein- und Graphomotorik), Wahrnehmungsstörungen, Selbstständigkeit
  • Verhaltensproblemen: z.B. Aufmerksamkeitsstörungen (ADS/ADHS), Aggressivität, Antriebsmangel
  • Leistungsproblemen: z. B. Konzentrationsstörungen, Handlungsplanung, Probleme in der Schule beim Lesen/ Schreiben/ Rechnen (LRS/ Dyskalkulie)
  • Psychischen und soziale Probleme: z.B. Ängste, Selbstwert, Selbstbewusstsein, Autismus, Depression (gerade nach Corona großer Anstieg) Bei geistiger und körperlicher Behinderung
  • Bei geistiger und/oder körperlicher Behinderung


Welche Ziele hat die Ergotherapie?

Das Hauptziel der Ergotherapie ist es, die Selbstständigkeit und Handlungsfähigkeit des Kindes zu fördern. Dies geschieht durch eine gezielte Verbesserung in mehreren Bereichen:

  • Motorische Fähigkeiten: u.a.Verbesserung der Koordination, Kräftigung der Muskulatur, Schulung der Feinmotorik (z. B. Schreiben, Knöpfe schließen) und der Grobmotorik (z. B. Springen, Klettern).
  • Kognitive Fähigkeiten: Förderung der Wahrnehmung, Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnisleistung und Problemlösungsstrategien.
  • Emotionale und soziale Kompetenzen: Stärkung des Selbstbewusstseins, Verbesserung des Sozialverhaltens, Entwicklung von Empathie und Kommunikationsfähigkeit.
  • Alltagsbewältigung: Training lebenspraktischer Fertigkeiten wie Anziehen, Essen, Organisieren von Schulsachen, Freizeitgestaltung oder selbstständiges Arbeiten.


Welche Methoden gibt es in der Ergotherapie?

Die Ergotherapie verfolgt einen gesamtheitlichen Ansatz (Körper/ Geist und Seele) und nutzt vielfältige spielerische und alltagsnahe Praktiken, um die Kinder in einer positiven Atmosphäre gezielt zu fördern. Einige bewährte Methoden sind:

  • Sensorische Integrationstherapie Diese Methode hilft Kindern, sensorische Reize besser zu verarbeiten und darauf angemessen zu reagieren. Durch gezielte Übungen wie Schaukeln, Balancieren oder Kneten werden Wahrnehmungsfähigkeit und Körperbewusstsein gefördert.
  • Verhaltenstherapeutische Interaktion (IntraActPlus): Ist ein verhaltenstherapeutisches Training, das u.a. die Eigensteuerung, Konzentration, Lernmotivation, Beziehungsfähigkeit des Kindes verbessert.
  • Marburger Konzentrationstraining: Das Marburger Konzentrationstraining hilft Kindern auf Basis der Selbstinstruktion sich besser zu konzentrieren.
  • Graphomotorik Training: Kinder mit Schwierigkeiten beim Schreiben profitieren von speziellen motorischen Übungen, die die Handkraft und Koordination verbessern. Spielerische Übungen wie das Nachfahren von Linien oder das Zeichnen von Mustern helfen dabei.
  • Kreative Therapieformen: Der Einsatz von Malen, Basteln oder Musik fördert die Feinmotorik, Kreativität und Ausdrucksfähigkeit des Kindes.
  • Alltagstraining: Praktische Übungen, die das Kind auf reale Herausforderungen vorbereiten, z. B. das selbstständige Packen der Schultasche, die Handhabung von Besteck oder das Strukturieren des Tagesablaufs. Hierzu gehört auch die Arbeitsplatz-und Hilfsmittelberatung.
  • Spielerische Bewegungsübungen: Sport- und Bewegungsprogramme verbessern die Koordination, Ausdauer und Kräftigung der Muskulatur. Besonders wichtig sind hierbei Aktivitäten, die Freude bereiten und Erfolgserlebnisse schaffen.
  • Sozialkompetenztraining: Rollenspiele und Gruppenübungen helfen Kindern, besser mit anderen zu interagieren und Konflikte zu lösen.

Ein wichtiger Aspekt der Ergotherapie ist die Zusammenarbeit mit Eltern, Lehrkräften und anderen Bezugspersonen. Die Therapie kann effektiver gestaltet werden, wenn die erlernten Fähigkeiten auch zu Hause und in der Schule weitergeführt werden. Auch ein interdisziplinärer Austausch mit Ärzten und anderen Therapeuten ist zielführend. Beratungsgespräche und Anleitungen für die Eltern helfen dabei, den Therapieerfolg langfristig zu sichern. Oft gibt es auch spezielle Übungsprogramme, die Familien gemeinsam durchführen können.

Hier setzt auch im Rahmen von Prävention und Begleitung die Ergotherapie Onlinpraxis an. Durch ihre Angebote gibt sie Hilfe zur Selbsthilfe: Fördermaßnahmen können unmittelbar im häuslichen Umfeld gemeinsam mit der Familie umgesetzt werden.

Ergotherapeuten arbeiten auch mit Lehrkräften zusammen, um die schulischen Herausforderungen des Kindes besser zu bewältigen. Durch Anpassungen im Unterricht, spezielle Sitzplatzwahl, Anpassung des Klassenzimmers oder bewegungsfreundliche Lernmethoden kann das Lernen erleichtert werden.


Fazit

Ergotherapie bietet Kindern und Jugendlichen wertvolle Unterstützung, um ihre individuellen Fähigkeiten spielerisch zu entwickeln und Herausforderungen besser zu meistern. Mit individuell abgestimmten Methoden werden motorische, kognitive, emotionale und soziale Kompetenzen gezielt gefördert. Die enge Zusammenarbeit mit Eltern und Schule sorgt dafür, dass die Erfolge nachhaltig sind und Kinder und Jugendliche mehr Selbstständigkeit und Lebensqualität gewinnen. Durch die Kombination aus spielerischem Lernen und gezielter Förderung kann Ergotherapie einen entscheidenden Beitrag zur positiven Entwicklung eines Kindes leisten.




"Hilf mir, es selbst zu tun.“

- Maria Montessori -